AL ANDALUS

Auf der Spur der Mauren in Marokko und Andalusien






Die Route der Almoraviden zwischen Marrakesch und Granada verbindet wie ein seidener Faden die Geschichte zweier Kontinente, Europas und Afrikas, verbindet bis heute die Kultur zweier Länder, Marokkos und Spaniens. Die Zeugnisse der maurischen Herrschaft beiderseits der Meerenge von Gibraltar zeugen vom Einfluss Arabiens auf Europa und dem Zusammenspiel und der gegenseitigen Befruchtung der Kulturen, die heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist.

Von Marrakesch bis Granada folgt Kay Maeritz der Route der Almoraviden: von den Souks der alten Königstadt, durch den Hohen Atlas bis zur Meerenge von Gibraltar und weiter durch die Sierras Andalusiens nach Córdoba und Granada.

Während nördlich von Gibraltar vor allem stumme Monumente auf die Zeit der maurischen Herrschaft verweisen, findet sich südlich davon noch heute der Rhythmus des damaligen Lebens. Nur wenige Flugstunden von Deutschland entfernt erlebt der Reisende eine völlig andere Welt. Fern unseres hektischen Alltags leben die Berber des Hohen Atlas ein Leben in einer kargen, von Steinen bestimmten Welt. Wer sich ihr nähern will tauscht das Auto gegen ein Maultier und folgt den Trampelpfaden in die Bergdörfer. Was das Maultier in den Bergen ist, ist in den Oasen am Rande der Sahara der Esel oder das Kamel. Am Südhang des Atlas liegt die Route der Kasbahs inmitten Stein gewordener Landschaft in den Schluchten von Dades und Todra. Die älteste Königsstadt Marokkos, Fes, mit ihrem kaum zu überblickenden Gewirr aus Gassen liegt nördlich des Hohen Atlas.






Auch in Andalusien steuert Kay Maeritz seine Ziele bevorzugt auf unkonventionelle Weise an: zu Fuß, hoch zu Pferd oder mit dem Fahrrad versucht der Autor an die Langsamkeit des Reisens vergangener Zeiten anzuschließen. Tarifa ist die windumtoste, südlichste Stadt Andalusiens. Die maurische Alcazaba erinnert mit ihren Zinnen an den Einfall der Mauren unter Tariq im Jahr 711, in dessen Folge die Iberische Halbinsel fast gänzlich unter die maurische Vorherrschaft kam. Zahlreiche Gebirgsdörfer in den Sierras erinnern mit ihrem Beinahmen „de la Frontera“ an die Zeit, als die Gegend zwischen Christen und Mauren umkämpft war. Zahlreiche „weiße Dörfer“, die Pueblos Blancos, stets auf Bergrücken gelegen, zeugen heute noch von ihrem maurischen Ursprung, allen voran Arcos und Ronda. Während Europa im tiefsten Mittelalter versunken war blühte im Süden auf der Iberischen Halbinsel das maurische Reich Al Andalus. Unter dem Kalifat von Córdoba erreichte das islamische Reich seinen glanzvollen Höhepunkt. Córdoba wurde im 11. Jahrhundert die bedeutendste Stadt Europas. Handel und Wissenschaft blühten in Córdoba,während das Oströmische Reich von Byzanz zerfiel. Geblieben sind vom maurischen Al Andalus die Pracht der Bauten in Cordoba und Granada, Höhepunkte jeder Reise nach Andalusien.


Marokko – Eindrücke

Marokko, der westlichste Zipfel des Orients, stellt einen idealen Hintergrund für unsere Träume vom alten Orient. Die Märchen aus 1001 Nacht scheinen in den engen Gassen der Altstädte, in ihren verschachtelten Medinas, noch am Leben zu sein. Sie leben auf einer Insel des Orients, die eingekeilt zwischen Wüste und Meer, zwischen Schwarzafrika und Europa am Nordwestzipfel Afrikas liegt. Allein seine Lage garantiert extreme Kontraste: Dünen, die bis ans Meer reichen, grüne Oasen überragt von den schneebedeckten Bergen des Hohen Atlas.

In Casablanca spielt Sam schon lange nicht mehr. Statt dessen haben Hochhäuser und internationale Fast-Food-Ketten Einzug in die Wirtschaftsmetropole des Landes gehalten. Hier steht die zweitgrößte Moschee der Welt, das neue Wahrzeichen Marokkos. Der vor kurzem verstorbene König Hassan II. hat sich mit der Moschee, die seinen Namen trägt, ein Denkmal gesetzt, das wie ein riesiges Schiff die Küste überragt. Darüber, ob sie nun ein wunderbares architektonisches Kunstwerk auf der Höhe der Zeit sei, oder ein überflüssiges Milliardengrab, gehen die Meinungen auseinander.

Wenn auch Sam nicht mehr anzutreffen ist, so liegt „Der Himmel über der Wüste“ doch immer noch und unverändert in aller Majestät und Ruhe, weicht die Hektik der Großstadt auf dem Lande sehr schnell dem geruhsamen Rhythmus der vorindustriellen Zeiten. Selbst in den alten Königsstädten Fes, Meknes und Marrakesch herrscht, trotz aller Betriebsamkeit in den Basaren, noch die alte Geruhsamkeit. Die verwinkelten Gassen ihrer Altstädte laden zu endlosen Streifzügen ein. Auf weniger sollte man sich auch gar nicht erst einrichten. Wer jemals seinen Fuß in das Labyrinth der Gassen von Fes gesetzt hat, weiß, wie lange es dauern kann, auch nur eines der bekannteren Ziele zu entdecken. Ohne Führer wird jede Wanderung in der Altstadt zum Geduldsspiel. Oft genug wird man sich an einem anderen Ort wiederfinden, als dem gesuchten Ziel. Und doch wird man gefunden haben, was man gesucht hat: einen Hauch des Orients…


Marrakesch

Marrakesch, die Stadt der Basare, der Händler und Handwerker. Marrakesch, die schönste, lebendigste und aufregendste Stadt Marokkos, eine Stadt in der der Atem des alten Orients noch zu spüren ist. Verborgen hinter starken Lehmmauern, geschützt durch mächtige Tore, liegt die Altstadt, hier öffnet sich ein Gassengewirr, in dem sich die Souks, die Basare Marrakeschs verstecken. Jedes Handwerk hat seinen eigenen Basar, jede Ware wird in einem Meer gleichartiger Waren angeboten. Schuhe finden sich neben Schuhen, Lampen neben Lampen, Tabletts und Teekannen neben weiteren ihrer Art. Hunderte von Gässchen durchziehen die Altstadt, in der die Souks liegen. Und keines der Gässchen ist gerade. Verzwickt und verschachtelt, wie das Netz einer irregewordenen Spinne, durchzieht ihr Gespinnst die dicht an dicht hingewürfelten Häuser. Hinter einer Biegung verbirgt sich der Souk der Färber. Jeden Morgen hängen hier bunte Tücher und frisch gefärbte Wollballen zum Trocknen in der Sonne. Im Basar der Schmiede nebenan wird gehämmert, gefeilt und geschweißt, gesägt, gebogen, gedreht, gelötet und immer wieder gehämmert was das Zeug hält. Und alles geschieht auf der Straße, bestenfalls in offenen Werkstätten, die weit mehr Verschlägen ähneln. Diese zur Schaustellung beeindruckte schon Elias Canetti: „Zur Verödung unseres modernen Lebens gehört es, dass wir alles fix und fertig ins Haus und zum Gebrauch bekommen, wie aus hässlichen Zauberapparaten. Hier aber kann man den Seiler eifrig bei seiner Arbeit sehen, und neben ihm hängt ein Vorrat fertiger Seile. In winzigen Gelassen drechseln Scharen von kleinen Jungen, sechs oder sieben von Ihnen zugleich, an Holz herum, und junge Männer fügen aus den Teilen, die ihnen von den Knaben hergestellt werden, kleine Tischchen zusammen. Die Wolle, deren leuchtende Farben man bewundert, wird vor einem selbst gefärbt, und allerorts sitzen Knaben herum, die Mützen in hübschen und bunten Mustern stricken.

Es ist eine offene Tätigkeit, und was geschieht, zeigt sich, wie der fertige Gegenstand. In einer Gesellschaft, die soviel verborgenes hat, die das Innere ihrer Häuser, Gestalt und Gesicht ihrer Frauen und selbst ihre Gotteshäuser verbirgt, ist diese gesteigerte Offenheit dessen, was erzeugt und verkauft wird, doppelt anziehend.“ (aus: „Die Stimmen von Marrakesch“)