Im Reich des Lächelns



Thailand, Burma, Laos & Kambodscha



Mit einer Reise nach Südostasien begann 1983 meine Leidenschaft für Asien. Seitdem zieht es mich immer wieder in die Region, die mit ihren unglaublichen Küsten und Stränden, Dschungeln und der Vielfalt an Kulturen zu den attraktivsten Zielen der Erde gehört.
Während Indonesien durch die Inneren Unruhen – leider – immer weniger besucht wird, hat sich durch das Verschwinden des Bambusvorhangs in Hinterindien ein neues, höchst attraktives Ziel den Besuchern geöffnet. Von Thailand aus lassen sich Kambodscha, Laos und Burma leicht erreichen. Dort erlebt der Besucher ein vielfach noch in den alten Traditionen verharrendes Asien in dem der Buddhismus zu Hause und am Leben ist – und das wahre Reich des Lächelns. Trotz jahrzehntelanger Unterdrückung begegnet man hier Menschen von entwaffnender Offenheit und Herzlichkeit. Zu den Reizen der Region gehört die Allgegenwart des Wassers: an den Küsten, die zu den schönsten der Erde zählen, mit Flüssen, wie Mekong und Irrawaddy, denen zu folgen allein schon eine Reise wert ist, mit Seen, wie dem Tonle Sap-See mit seinen schwimmenden Dörfern im Herzen Kambodschas oder dem wunderschönen Inle-See in Burma. Hinzu kommen noch die magisch anmutenden buddhistischen Tempelanlagen in Bangkok, Pagan, Angkor…

Bücher zum Thema von Kay Maeritz:
Asien, Bruckmann 2001
Thailand, Bruckmann 2003
Thailand mit Laos und Kambodscha, Bruckmann 2008
Thailand Highlights, Bruckmann Fj 2009







Thailand - Im Land der Freien

Über Sumatra geht es in Richtung Thailand, das mit seinen Traumstränden der Touristenmagnet Asiens ist.Doch auch jenseits der Strände lockt Thailand mit buddhistischen Heiligtümern und tropischen Landschaften.
Morgendämmerung, langsam schälen sich die Umrisse von Bäumen und Bergen aus dem Nebel jenseits der grauen, glatten Wasserfläche. Plötzlich durchbrechende Sonnenstrahlen verleihen der Szenerie einen kurzen, unwirklichen Zauber, lassen vor meinen Augen eine Urlandschaft entstehen. Bin ich hier wirklich in Thailand, dem Land der leuchtendweißen Strände und des türkisfarbenen Meeres?
Ja, es ist nur eine der vielen Facetten des Landes. Tatsächlich wird unser Bild von Thailand allzu stark von den wahrhaft traumhaften Stränden des Landes geprägt. Doch dieses Bild wird dem vielseitigen Land ebenso wenig gerecht, wie die Reduzierung auf das Rotlichtviertel Bangkoks. Letzteres hat glücklicherweise  mehr und mehr an Bedeutung verloren und Bangkoks berühmt-berüchtigte Patpong ist heute vor allem das Ziel neugieriger Pauschaltouristen, die durch die dichtgerängten Stände des Nachtmarktes drängen.

Aber Thailand ist eben viel mehr als Strand, Meer und Sonne: diese bilden  nur einen der Gründe für eine Reise in die Region. Lagunen und strahlendweißer Sand bilden dafür den Bilderbuchhintergrund. Aber auch Kulturreisende finden mit den alten buddhistischen Tempelanlagen und Überresten untergegangener Hauptstädte viele hinreißende Reiseziele. Sukhothai und Ayutthaya sind die alten Hauptstädte Thailands, aber auch das Reich von Angkor hat in Thailand reichlich Überreste seiner Glanzzeit hinterlassen. Dazu locken im ganzen Land Nationalparks mit tropischer Flora und Fauna und hinreißende Landschaften, angefangen bei den bizarren Karstfelsen, die in der Bucht von Phang Nga aus dem Meer ragen, über die geheimnisvollen Hongs und Lagunen, die ihr verstecktes Dasein auf einsamen Felseilanden fristen bis hin zu den oftmals nebel-verhangenen Bergwäldern an der langen Grenze zum Nachbarland Burma – womit wir wieder am morgendlichen Khao Laem See wären. Über den Seitenarm des Sees vor mir zieht sich die längste Holzbrücke Thailands. An ihrem anderen Ende liegt ein Dorf der Mon, einer  der zahlreichen ethnischen Minderheiten, dessen Häusern noch ganz im traditionellen Stil aus Holz erbaut sind, davor am Ufer des Sees liegen Hausboote aus Bambus und Holz. Doch der Eindruck der Weltabgeschiedenheit  täuscht:  über die Brücke  kommt mir  ein Strom von Frauen entgegen, alle auf dem Weg zur Arbeit. Tradition und der Umbruch zu einer modernen, arbeitsteiligen Gesellschaft liegen selbst hier, im abgelegenen  Sangkhlaburi nahe der Grenze zu Burma, dicht beieinander. Denn auch das ist Thailand, ein Land auf der Schwelle zum Industrieland. Selbst die schwere Asienkrise 1997 hat Thailand unerwartet schnell überwunden. Blickt man auf die letzten Jahrzehnte zurück, sieht man eine weltweit  fast einmalige Wachstumsperiode. Um rund das zwanzigfache hat sich das Pro-Kopf-Einkommen von Beginn der Sechziger Jahre bis Ende des 20. Jahrhunderts gesteigert. Und auch die Infrastruktur hat sich in diesen Jahrzehnten nachhaltig verbessert. Fast das ganze Land ist mittlerweile über gut ausgebaute Straßen zu erreichen. Allein in den letzten zwanzig Jahren ist hier Gewaltiges geleistet worden. In dieser Zeit hat sich auch ein anderer, ebenso erfreulicher Wandel vollzogen: die bis in die Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts zurückreichende Zeit der Militärherrschaft scheint endgültig überwunden  zu sein und Thailand sich auf dem Weg zu einer Demokratie mit transparenten Strukturen zu befinden. Es wird noch einige  Zeit dauern, bis Vetternwirtschaft und Korruption gänzlich beseitigt sind, aber die Richtung dahin ist eingeschlagen und gerade die Art der Bewältigung der letzten Krise macht Hoffnung auf einen erfolgreichen Abschluß des Weges.






Über den Fluß…und in die Wälder von Laos

Über den Fluß und in die Wälder, getreu dem Heminghway Titel läßt sich eine Laos Reise gut zusammenfassen. Die Wahrscheinlichkeit, bei der Einreise nach Laos den Mekong überqueren zu müssen ist groß. Und dann befindet man sich im am dünnsten besiedelten Land Südostasien mit dem höchsten Waldanteil. Wald und Berge sind der vorherrschende Eindruck, fährt man durch Laos, egal ob vom Boot aus oder auf den meist holprigen Pisten. Knapp 5 Millionen Einwohner verteilen sich auf 236000 Quadratkilometer (zum Vergleich: in Deutschland leben rund 80 Millionen auf 350000 Quadratkilometern, d.h. etwa 10 mal so viele Menschen je Quadratkilometer). Das Wort Ebene dürfte für die meisten Einwohner von Laos soviel Bedeutung haben, wie das Wort Meer für jemanden, der nur Tümpel kennt. In den wild aufgefalteten südöstlichen Ausläufern des Himalaja finden sich nur wenige größere Täler und Hochebenen die die Ansiedlung einer größeren Population ermöglicht hätten. Entsprechend des Terrains ist die Bevölkerung von Laos ein Flickenteppich verschiedenster Völker. Nach offizieller Statistik gibt es 68 ethnische Gruppen, von denen knapp 60% zu den, mit den Thai eng verwandten, Lao Loum gerechnet werden. Traditionell werden die Völker vier Gruppen zugeordnet, je nachdem auf welcher Höhe sie leben. Für Europäer kaum nachzuvollziehen, wie wenn man etwa sagen würde, Italiener lebten oberhalb von 1000 Metern. In Laos erklärt sich diese – stark vereinfachende – Einteilung durch die aus verschiedenen Naturräumen zugewanderten Völker. Die Thai Völker haben sich entlang der Flußläufe niedergelassen, wo sie die Möglichkeit fanden Naßreis zu kultivieren. Die schon vor ihnen ansässigen Mon-Khmer siedeln in den niederen Hügelgebieten, während sich die Hmong-Mien, die aus dem Bergland Chinas zugewandert sind, und die sino-tibetischen Stämme die höchsten Lagen bevorzugen. Diese Art der Verteilung des Lebensraumes findet sich überall entlang des Himalaja mit wechselnder Zusammensetzung der Völker. All diese Völker, von denen Ethnologen sogar rund 120 gezählt haben, unterscheiden sich mehr oder weniger stark durch verschiedene Faktoren, wie Religion, Geschichte, Herkunft, Gebräuche und – für den Außenstehenden am einfachsten – durch die Kleidung. Die Kleidung bestimmt auch den Namen der Gruppe, wie Schwarze Thai, Rote Thai, Weiße Thai, aber auch Wald Thai, Nördliche Thai, Südliche Thai. Und um die Sache noch etwas zu komplizieren, heißt Tai auch Süden, die Südlichen Thai also Thai Tai. Noch Fragen? Die Thai Dam, die Schwarzen Thai sind die verbreitetste Gruppe unter den Thai Bergstämmen und die mit den am besten erhaltenen Sitten und Gebräuchen. Am auffälligsten durch ihre Tracht, zahlenmäßig aber eher unbedeutend, sind die tibeto-burmesischen Volksstämme der Lisu, Lahu, Lolo, Phu Noi und Akha im Norden von Laos. Zahlenmäßig wesentlich bedeutender sind die Mien und Hmong. Insbesondere letztere spielten im, von der CIA während des Vietnamkrieges angezettelten, Krieg eine bedeutende Rolle.
Zurück zu „über den Fluß“. Nach dem Motto „Welche Brücke nehmen wir denn?“ ist die Wahl recht einfach. Auf den gesamten Länge des Mekong zwischen chinesischer Grenze und Mündung ins Meer gibt es genau eine Brücke! Und die verbindet Nong Khai in Thailand mit Vientiane. Auf der Brücke gibt es ein laotisches Konsulat, das das Visum bei der Einreise erteilt. Für 15 Tage sind 30 US Dollar fällig. Andere Währungen werden nicht akzeptiert. Jenseits der Brücke geht es mit dem Tuk Tuk ins einige Kilometer entfernte Vientiane. Ein paar Kilometer trennen das thailändische Provinznest Nong Khai von der Hauptstadt der Volksrepublik Laos – ein paar Kilometer und einige Jahrzehnte. Vientiane scheint immer noch in tiefem Dornröschenschlaf zu liegen trotz der in den letzten Jahren, fast unbemerkt von der Außenwelt, durchgeführten Reformen. Die Straßen der Hauptstadt, breite Alleen, an denen französische Kolonialvillen vor sich hin bröckeln, gehören weitgehend Fahrrädern und einigen Mopeds. Autos sind noch die Ausnahme.  Wir beziehen ein Zimmer im Lane Xang Hotel, dem ehemaligen Staatshotel und einzigem Prachthotel der Stadt. Die im Namen des Hotels erwähnte „Million Elefanten“ trampelt nicht durch die Gänge des Hotels, aber auch ohne Dickhäuter ist die Pracht bröckelig geworden. Die Tapeten rollen sich von den Wänden und werden von Nägeln festgehalten, neben dem Fernseher steht ein Eimer, in den es sachte von der Decke tröpfelt. Dafür kostet der Luxus – mit Pool und Fitneßcenter –, in dem früher alles was Rang und Namen hatte abstieg, auch nur 25 Dollar – inklusive der unverwechselbaren Aura eines sozialistischen Staatsbetriebes. Am Abend zeigt sich, dass noch nicht alles vorbei ist für das Lane Xang: laute Musik einer grausig schlechten Kapelle und der Trubel einer Feier dringen aus dem Konferenzsaal unter unserem Zimmer – die einzige Goldmedaille bei den Asean-Spielen für Laos wird ausgiebig vom ganzen Team gefeiert.
Das Zentrum Vientianes ist klein, so klein, dass es gut zu Fuß zu erkunden ist. Erkennen ist es eigentlich nur daran, das es auf dem Stadtplan als solches verzeichnet ist. Dank des geringen Verkehrsaufkommens läßt es sich unbeschwert unter den Kronen der Alleebäume bummeln. Zwei Minuten dauert der Marsch vom Mekong und dem Lane Xang bis ins Stadtzentrum am Platz um den Brunnen, wo sich die internationale Küche versammelt hat: ob italienisch, französisch oder indisch, es gibt ausgezeichnete Restaurants in denen man spielend das Monatseinkommen eines laotischen Arbeiters bei einer Mahlzeit umsetzen kann. Vom kulinarischen Zentrum ist es auch nicht weit zu den kulturellen Sehenswürdigkeiten der Stadt, den Klöstern. Nur das Pha That Luang, das Wahrzeichen von Laos, steht am Stadtrand. Der Legende zufolge geht es auf Missionare zurück, die der indische Herrscher Ashoka im 3. Jahrhundert v. Chr. geschickt haben soll und die über einer Reliquie des Buddha einen Stupa errichtet en. Allerdings gibt es keine Belege für diese Geschichte. Das Heiligtum unterscheidet sich in der Formgebung deutlich vom thailändischen Stil, die in den Himmel gereckte Spitze des That läßt deutlich ihre symbolische Bedeutung, die Lotosknospe, erkennen. Das Sprießen eines Lotossamens vom Grund eines sumpfigen Tümpels, bis sich die Blüte über die Oberfläche des Wassers erhebt wird mit dem Prozeß verglichen, den ein Buddhist bei seinem Fortschreiten von der Unwissenheit bis zur Erleuchtung durchläuft.
 

Kambodscha - der lange Krieg hat ein Ende

Wir schweben in einer Turboprop Maschine aus Bangkok ein. Unter den Tragflächen glänzen weite Wasserflächen im Sonnenlicht. Es ist August, Regenzeit, aber der Himmel ist weitgehend wolkenfrei, große Teile des Landes wirken trocken aus der Luft, nur entlang des Mekong und Tonle Sao herrscht „Land unter“. Die Wassermengen kommen mit dem Mekong aus dem Norden und provozieren ein einmaliges Phänomen: der Tonle Sap fließt rückwärts. Jedes Jahr wiederholt sich der Vorgang und der riesige Binnensee am Tonle Sap füllt sich und vervielfacht seine Fläche. Von den Wassern des Mekong hängt das Wohl Kambodschas ab, er bringt Wasser zur Bewässerung der Felder, er bringt fruchtbaren Schlamm – und er hat das Land erst aus den Fluten des Ozeans aufsteigen lassen und das Becken zwischen Cadermon Bergen und Rattanakiri Plateau mit Schwemmsand aus den Bergen Tibets, aus Yunnan und Laos aufgefüllt. Nur der Tonle Sap ist als Überbleibsel des Ozeanbeckens geblieben. 550 Kilometer sind es von der Mündung des Mekong bis zur Stadt Kratie, bis dorthin ist der Mekong ganzjährig schiffbar, bis dorthin sind die Gezeiten spürbar! Im fruchtbaren Becken des Mekong lebt eines der ältesten Kulturvölker der Region. Die Khmer siedelten lange vor den Thai in den Ebenen zwischen Menam und Mekong. Von den Thai wurden sie aus den heute thailändischen Ebenen vertrieben, bzw. dort aufgesogen, von den Vietnamesen aus dem ehemals dünn besiedelten Mekongdelta, das seit alters her zu den Königreichen der Khmer gehörte. Dafür ist Kambodscha ungewöhnlich homogen besiedelt, 90% der Bevölkerung sind Khmer, die restlichen zehn Prozent verteilen sich auf Chinesen, muslimische Cham, die ungeliebten Vietnamesen und einige Bergvölker. Die größte Minderheit, mit rund 5% bilden die Vietnamesen, deren Vorfahren zum Teil seit Jahrhunderten in Kambodscha lebten und als „yuon“, Barbaren aus dem Norden bezeichnet wurden. Bestenfalls wurden sie toleriert, aber auch das nahm in den Siebzigern ein Ende, als sie erst unter General Lon Nol und dann den Roten Khmer in Pogromen verfolgt wurden. Nach dem Sturz Pol Pots durch die Vietnamesen kamen wieder vermehrt Vietnamesen ins Land, die nach dem Abzug der vietnamesischen Truppen aber immer wieder Zielscheibe von Ausschreitungen waren.
Reisen in Kambodscha kann zur Qual werden, zumindest auf den von langen Jahren Bürgerkrieg zerstörten Pisten. Bootfahrten über den Tonle Sap nach Siem Reap galten lange Zeit als gefährlich. Mal sanken die Boote und die Passagiere mußten auf dem Dach ausharren bis sie gerettet wurden – glücklicher weise ist der See so niedrig, daß die Boote an kaum einer Stelle völlig versinken konnten – , mal kam es zu Überfällen. Das hat sich mit den neuen Schnellbooten geändert. In fünf Stunden rauschen die klimatisierten Boote über den Fluß und den See bis zur Anlegestelle Siem Reaps. Links und rechts des breiten Flusses liegen Bäume und Dörfer, immer wieder glänzt aber mehr Wasser hinter der Uferböschung zwischen den Bäumen auf. Das Land ist großflächig überschwemmt, obwohl die Sonne vom fast ständig blauen Himmel scheint. An der Anlegestelle entbrennt ein heftiger Kampf um die Ankömmlinge. Jede Herberge versucht so viele Passagiere wie möglich einzusammeln - und die Konkurrenz der Hotels ist groß. Wie die Pilze sind sie in den letzten Jahren im verschlafenen Siem Reap aus dem Boden geschossen. Kein Wunder, Ankor Wat zieht Touristen aus der ganzen Welt in seinen Bann. Und seitdem es sicher auch auf dem Landweg zu erreichen ist, werden es immer mehr. Außerdem ist es per Flug direkt von Bangkok aus zu erreichen. So ist vorauszusehen, dass die Besucherzahlen in den nächsten Jahren stetig steigen werden.

Burma oder Myanmar?

Rangun - oder Yangon? Eine eigentlich einfach zu beantwortende Frage. Heute heißt Rangun Yangon, nachdem die Militärmachthaber 1989 viele Namen im Land änderten, sogar das Land selbst in „Union von Myanmar“ umbenannten. Das Problem des Landes und das Problem des Namens liegt in genau einem Punkt: die Militärs waren und sind nicht die legitimen Machthaber. Die Opposition hat bereits 1990 freie Wahlen gewonnen, konnte allerdings nie die Regierung antreten und verweigert, als die eigentlich legitime Regierung, die Anerkennung der Namensgebung, die sie als Willkürakt bezeichnet. Dabei spricht einiges dafür, dass die neuen Namen Bestand haben werden. Der Wichtigste ist: Myanmar heißt im Burmesischen schon immer Myanma (ohne „r“, das für die englische Aussprache angehängt wurde, korrekt wird Myanmar mit langem „a“ am Schluß gesprochen). Burma ist der englische Kolonialname, der sich zudem nur auf eines der vielen Völker Burmas bezog. Der neue Name Myanmar, unter dem sich auch schon Marco Polo auf das Land bezog, soll dem Status als Vielvölkerstaat gerecht werden, bezog sich aber schon bei seiner ursprünglichen Verwendung auf das erste burmesische Reich. Und da liegt ein weiteres Problem: Viele der Völker wollen nicht zu Burma/Myanmar gehören und kämpfen seit der Unabhängigkeit von Großbritannien für eigene Staaten. So befindet sich das Land, das zu den bezauberndsten Asiens gehört und das für den Besucher, der nicht hinter die Fassaden zu schauen vermag, tiefsten Frieden ausstrahlt, in einem tiefen inneren Konflikt zwischen seinen Völkern.

Wir machen uns auf den Weg das Land zu sehen, wollen mit dem Taxi eine Rundschleife zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Burmas zurücklegen. Freilich reisen wir nicht auf dem Irrawaddy, der heute Ayeyarwady heißt, und den die britischen Kolonionalherren als die Straße nach Mandalay bezeichneten. Saw Lin ist unser Fahrer und er überrascht uns mit der Frage, ob er nicht seine Frau mitnehmen könne. Wir haben Platz und so kann Saw Lin seiner Frau Burma zeigen. Aus zwei Touristen werden vier. Vor dem Start brauchen wir noch Kyiats. Mit der offiziellen Ausländer Währung FEC, die eins zu eins dem Dollar entspricht, müssen wir theoretisch alles bezahlen, was aber tun, wenn wir unterwegs in einem kleinen Restaurant einkehren? Also tauschen wir eine Teil unser FEC in einer offiziellen Wechselstube, amtlich abgesegnet, zum Schwarzmarktkurs in Kyat - zu einem Kurs der vierzig mal besser ist als die offizielle Rate von eins zu sechs! Wer da auf dem staatlich festgelegten Bankkurs besteht, dem ist nicht zu helfen. Der FEC ist touristisch sinnlos, nicht aber bei Joint Ventures, bei denen der ausländische Investor den offiziellen Wechselkurs zu bezahlen hat. Bleibt nur die Frage, wer zu diesen Bedingungen investieren möchte?

Der Goldene Felsen, eines der Wahrzeichen Burmas, ist unser erstes Ziel. Er ist heute, dank der Nähe zu Rangun, der meistbesuchte Wallfahrtsort des Landes. Die goldbedeckte, delikat auf der Schulter des Berges balancierende Felskugel, von einer sieben Meter hohen goldenen Stupa gekrönt, ist ein unglaublicher Anblick. Die Legende weiß zu berichten, dass die Balance nur dank eines genau plazierten Haares Buddhas gehalten wird. Lange Zeit war der Ort für Ausländer gesperrt, da er im Mon Staat liegt. Seit dem Waffenstillstandsabkommen 1995 ist zumindest der Norden des Mon Staates problemlos zu bereisen. Die Mon waren in der Vergangenheit lange Zeit die Herren des Landes, ihr sagenhaftes „Goldland“ erstreckte sich durch Thailand bis Kambodscha. Aber lediglich die nah verwandten Khmer in Kambodscha konnten sich behaupten. In Thailand und Burma wurden die Mon weitgehend von den Neuankömmlingen aus dem Norden absorbiert. Sie verschmolzen so weitgehend mit den Barmer und Thai, dass sie heute kaum noch als eigenständiges Volk wahrgenommen werden, auch wenn es vor allem ihre Kultur ist, die heute das Gesicht der Länder prägt.
Innerhalb eines halben Tages ist Kinpun erreicht, von wo der Aufstieg nach Kyaiktiyo beginnt. Wir haben die Möglichkeit in einer langen Wanderung den Bergrücken zu erreichen - oder einen der Lkws zu nehmen, die als Busse bis in die Nähe des Gipfels pendeln. Gegen 14 Uhr sind wir am Berg, früh genug, um nach dem Mittagessen rechtzeitig vor Sonnenuntergang oben zu sein - glauben wir. Als wir hinauf wollen, fährt gerade ein voller Laster ab. So haben wir wenigstens die Möglichkeit zwei Sitzplätze in der Kabine zu belegen, jedenfalls sofern keine Mönche auftauchen, denn dann hätten die Anspruch auf unsere Sitzeplätze. Wir machen es uns bequem, soweit es in der selbst im Winter brennenden Sonne geht. Es fehlen nur noch 33 Mitreisende, dann kann die Fahrt losgehen. Es kommen keine Mönche - doch auch die anderen Fahrgäste bleiben aus. Eine Stunde später fehlen immer noch 15 Passagiere. Noch eine ganze Stunde dauert das Warten, bis die Fahrt endlich losgeht. In atemberaubend steilen Spitzkehren keucht der Laster die schmale Betonpiste durch den Wald hinauf. Gegenverkehr wäre tödlich, daher wird die Strecke nur wechselweise befahren. Als wir die Bergstation erreichen, ist die Sonne kurz davor zu verschwinden. Und wir müssen noch mindestens eine halbe Stunde weit aufsteigen – Sonnenuntergang am Felsen ade. Der Abendhimmel färbt sich glutrot, die Ebene zu unseren Füßen taucht in zauberhaftes Licht, während wir uns schweißgebadet den Berg empor arbeiten. Die letzten zehn Minuten bis zum Felsen müssen wir barfuß auf dem gepflasterten Pilgerpfasd zurücklegen, dann liegt er endlich vor uns. Doch der Goldene Felsen ist bestens erschlossen, von der erhofften und erwarteten Magie ist nicht viel zu spüren. Der Abgrund, über dem der Felsen balanciert ist durch eine Betonkonstruktion unterbrochen, ringsum Betonflächen und Kunstlicht für die Pilger und Besucher, die vornehmlich aus Rangun hierher strömen. Magie, wo bist Du in einer Welt der Massenbewegung? Selbst das scheinbar so verschlafene Burma ist davon erfaßt.
Der nächste Morgen beginnt mit lautstarkem Stimmengewirr und einer blökenden Hupe. Es ist noch stockfinster, aber der Pilgerweg direkt hinter unserem Zimmer belebt sich bereits. Die Pilger verlassen die Ashrams und machen sich an den Abstieg. Der vermeintliche hupende Bus entpuppt sich allerdings als freudestrahlender Verkäufer, der bereits vor Sonnenaufgang mit geblähten Backen sein Spielzeug verkaufen will.





Muang Tham



Luang Prabang